Zu Besuch an Donau und Weichsel 


Mit vie­len neuen Ein­drü­cken und Erin­ne­run­gen im Gepäck kam die erste Gruppe Aus­zu­bil­dende, die sich 2014 mit „Azubi-Europa“ in das Aben­teuer Aus­land stürzte, von ihrem 12-tägigen Prak­ti­kum in Ungarn und Polen zurück.

Ein Herz für Deutsche

Am 10. März hob der Flie­ger mit den 15 Azu­bis aus Berufs­schu­len in Wit­ten­berg, Des­sau und Halle an Bord ab mit Kurs auf Buda­pest. Das Ungarn kurz vor den Par­la­ments­wah­len stand, war wahr­schein­lich bei Rei­se­be­ginn nicht jedem bewusst. Doch gleich beim Par­la­ments­be­such am nächs­ten Tag beka­men alle Teil­neh­mer die Wahl­be­mü­hun­gen haut­nah zu spü­ren, denn auf dem Par­la­ments­vor­platz wim­melte es von Bau­ar­bei­tern und ein Zaun mit Sicher­heits­per­so­nal ver­wei­gerte der Gruppe den Zutritt. Nach­dem die­ses Hin­der­nis erfolg­reich über­wun­den war, machte sich bei allen Bewun­de­rung für die­ses atem­be­rau­bende Bau­werk breit. Die Schön­heit der Buda­pes­ter Archi­tek­tur wurde zu einem stän­di­gen Beglei­ter: Sei es beim Gespräch in der Andrássy Uni­ver­si­tät, wo reich­ver­zierte Stuck­de­cken und rie­sige Kron­leuch­ter eine fast wöchent­li­che Film­ku­lisse sind oder wäh­rend der Stadt­ral­lye, bei der Jagd von Sehens­wür­dig­keit zu Sehens­wür­dig­keit. Ebenso ins Auge fiel den Azu­bis der offen zur Schau gestellte Natio­nal­stolz der Ungarn. So prangte am Natio­nal­fei­er­tag an jedem zwei­ten Revers eine kleine Ungarn­flagge, Mili­tär­ka­pel­len spiel­ten in meh­re­ren Stadt­tei­len auf und berit­tene Uni­for­mierte prä­sen­tier­ten ihr Gewehr. Doch schnell wurde den Teil­neh­mern bewusst, dass das Herz der Ungarn nicht nur für ihr eige­nes Land schlägt, son­dern auch für Deutsch­land und die Deut­schen. Und das nicht nur aus wirt­schaft­li­chen Grün­den, oder wie bei vie­len Ter­mi­nen auf einen Nen­ner gebracht: „Wenn es Deutsch­land gut geht, geht es uns auch gut.“ Die Gast­freund­schaft der Ungarn den Deut­schen gegen­über erlebte eine Gruppe von Azu­bis als sie zum Essen in eine Piz­ze­ria ging und diese erst früh halb vier ver­ließ. Der Chef hatte für sie schon zei­tig zuge­sperrt, um mit ihnen in gemüt­li­cher Runde Musik zu hören, zu tan­zen und zu fei­ern. Zu die­sem Bild passte es, dass sich nach dem Besuch in der Berufsfach- und Mit­tel­schule für Wirt­schaft drei unga­ri­sche Berufs­schü­ler wie selbst­ver­ständ­lich anbo­ten der Gruppe alle gewünsch­ten Orte in Buda­pest zu zei­gen und auch nach drei Stun­den Fuß­marsch des Zei­gens nicht müde wurden.

Kuli­na­ri­sche Völkerverständigung

Wäh­rend Buda­pest die Gruppe vor allem durch den Alt­stadt­flair in ihren Bann zog, zeigte War­schau sich auf den ers­ten Blick völ­lig kon­trär dazu. Von ihren Zim­mern im Wol­ken­krat­zer mit­ten in der Stadt aus bot sich den Azu­bis eine Sky­line wie in New York und bestä­tigte War­schaus Ruf als moderne auf­stre­bende Metro­pole. In Punkto Offen­heit den deut­schen Besu­chern gegen­über glich das gewon­nene Bild hin­ge­gen wie­der dem Ein­druck von Ungarn. So nahm sich die Berufs­schule für Gas­tro­no­mie einen gan­zen Tag Zeit für die Pro­jekt­gruppe. Beglei­tet von zwei jun­gen enga­gier­ten Deutsch­leh­re­rin­nen wur­den zuerst gemein­sam alle nöti­gen Zuta­ten für ein deut­sches Drei-Gänge-Menü - Gur­ken­sa­lat, Brat­wurst mit Sau­er­kraut an Kar­tof­fel­brei und Erd­beer­quark - auf dem nahen Wochen­markt gekauft, um die­ses dann in Grup­pen zuzu­be­rei­ten. Und wäh­rend die einen schnip­pel­ten und brut­zel­ten, konn­ten sich die Koch­un­wil­li­gen hin­ter der Theke als Barista ver­su­chen.  Auch die Direk­to­rin selbst war völ­lig ohne Kon­tak­t­ängste, stellte ihre Berufs­schule vor und ver­suchte mit den Azu­bis ins Gespräch zu kom­men, selbst wenn sie kaum Deutsch und Eng­lisch sprach. Zum krö­nen­den Abschluss wur­den zusam­men die frisch gekoch­ten deut­schen und pol­ni­schen Spei­sen gekos­tet und die­ser Besuch ein­stim­mig zum High­light erklärt. Ein bes­se­res Bei­spiel für deutsch-polnische Bande hätte auch der Diplo­mat in der Deut­schen Bot­schaft nicht fin­den kön­nen, der die Pro­jekt­gruppe am letz­ten Tag emp­fing. Hier staun­ten die rei­se­freu­di­gen Azu­bis nicht schlecht, wie­viel Fle­xi­bi­li­tät und Rei­se­be­reit­schaft die­ser für sei­nen Beruf mit­brin­gen muss. Gegen die Vor­teile des Diplo­ma­ten­le­bens hin­ge­gen wie juris­ti­sche Immu­ni­tät oder die Mög­lich­keit rang­hohe Staats­män­ner zu tref­fen, hät­ten die meis­ten nichts ein­zu­wen­den gehabt. Mit sei­ner Bitte, Polen auch wei­ter­hin wohl­ge­son­nen zu blei­ben, fand er die bes­ten Schluss­worte für die Reise.





 
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