Piroggi und Ostsee: Praktikum in Polen 


Im Juni 2015 nah­men 15 Azu­bis aus Halle, Bit­ter­feld und Wit­ten­berg am Aus­lands­prak­ti­kum in Kra­kau und Dan­zig teil.

Offene Men­schen und das älteste Salz­berg­werk der Welt: Prak­ti­kums­be­ginn in Krakau

Die erste Woche des Azubi-Europa Prak­ti­kums im Juni begann mit der Zug­fahrt von Halle (Saale) nach Ber­lin und dem anschlie­ßen­den Flug nach Kra­kau. Dabei hat­ten die Aus­zu­bil­den­den Zeit, sich ken­nen zu ler­nen und erste Erfah­run­gen über die unter­schied­li­chen Aus­bil­dungs­be­rufe aus­zu­tau­schen. Die Teil­neh­mer sind von Kra­kau begeis­tert: wir kamen schnell mit den Ein­hei­mi­schen ins Gespräch, die offe­nen Archi­tek­tur der Stadt erin­nert uns an unsere eige­nen Hei­mats­städte. Am Abend pro­bier­ten die Azu­bis bereits erste pol­ni­sche Spe­zia­li­tä­ten wie Piroggi, die mit Fleisch und Kohl gefüll­ten Teigtaschen.

Die pol­ni­sche Men­ta­li­tät war auch Thema des ers­ten Work­shops, genau wie wirt­schaft­li­che Aspekte und die starke Bin­dung zur deut­schen Wirt­schaft. Die theo­re­ti­schen Grund­la­gen prüf­ten die Teil­neh­mer beim Glas­her­stel­ler Tech­glass anschlie­ßend auf ihre Stich­hal­tig­keit. Tat­säch­lich arbei­tet das pol­ni­sche Fami­li­en­un­ter­neh­men aktiv mit deut­schen Part­nern zusam­men, den Aus­füh­run­gen konn­ten unsere Aus­zu­bil­den­den aus den Kleinst- und Mit­tel­un­ter­neh­men daher gut fol­gen. Tie­fer­ge­hende Ein­bli­cke in das Wirtschafts- und Inves­ti­ti­ons­klima Polens bot der Besuch bei “Busi­ness in Malo­polska”: Jacek Adam­czyk, Lei­ter der Wirt­schafts­för­de­rungs­agen­tur, stellte die Region und seine Wirt­schafts­zweige wie die in Polen tra­di­tio­nell starke Automobil-Industrie und Chemie-Industrie vor. Wie der Weg in diese Bran­chen aus­se­hen kann, davon berich­te­ten die pol­ni­schen Aus­zu­bil­den­den der Berufs­schule für Elek­tro­nik und IT. Anhand unse­rer englisch-sprachigen Prä­sen­ta­tion über das duale Aus­bil­dungs­sys­tem wur­den schnell die Unter­schiede zum pol­ni­schen Sys­tem, wie der deut­lich höhere Praxis-Anteil in Deutsch­land, klar. In den Mittel-und Ost­eu­ro­päi­schen Län­dern sind dage­gen nur wenige Wochen Som­mer­prak­ti­kum üblich. Die Region um Halle haben ein paar der jun­gen Män­ner für Prak­tika bei mit­tel­stän­di­schen IT-Unternehmen bereits besucht.

Als Abwechs­lung in einer geschäf­ti­gen Woche besuch­ten die Prak­ti­kums­teil­neh­mer das älteste Salz­berg­werk der Welt, Wie­liczka. In den unter­ir­di­schen Minen erfuh­ren wir wäh­rend unse­rer eng­li­schen Füh­rung viel über das his­to­ri­sche Polen und die Mythen, die sich um Könige und Herr­schafts­häu­ser ran­ken. In 130 Metern Tiefe tra­fen wir auf ein bekann­tes deut­sches Gesicht: Johann Wolf­gang von Goe­the und seine Besu­che des Salz­berg­werks wur­den mit einer Sta­tue geehrt. Nach dem Auf­stieg aus der Mine freu­ten sich alle, wie­der Son­nen­licht zu sehen, die weit­läu­fi­gen Bau­ten blei­ben auch nach dem Prak­ti­kum noch lange im Gedächt­nis. In einer selbst­or­ga­ni­sier­ten Stadt­ral­lye durch Kra­kau konn­ten die Jugend­li­chen ihr Orga­ni­sa­ti­ons­ta­lent unter Beweis stel­len: die Mari­en­kir­che, Tuch-Hallen und die Burg Wawel sind dabei nur einige der Highlights.

“Ein klei­nes Stück von Deutsch­land, auch in Polen” … Deut­sche Gesich­ter in Danzig

Nach der ers­ten Woche fuh­ren wir mit dem Zug vom Süden Polens in den Nor­den: Der zweite Stopp des Prak­ti­kums führte nach Dan­zig. Die Alt­stadt der an der Ost­see gele­ge­nen Metro­pole steht im Kon­trast zu Kra­kau: Alles liegt näher bei­ein­an­der und die Back­stein­go­tik ver­leiht dem Stadt­bild ein ganz eige­nes Flair, beide Städte haben jedoch die freund­li­chen Men­schen gemein. Was im Geschäfts­le­ben mit inter­na­tio­na­len Part­nern zu beach­ten ist, das erar­bei­te­ten sich die deut­schen Aus­zu­bil­den­den in Work­shops zu Inter­kul­tu­rel­ler Kom­mu­ni­ka­tion und Business-Englisch. Fach­lich gut gerüs­tet besuch­ten wir anschlie­ßend “Invest in Pome­ra­nia”, wo uns Direk­tor Mar­cin Pia­t­kow­ski über die Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten von deut­schen Unter­neh­men auf dem pol­ni­schen Markt auf­klärte. Auch wirt­schaft­lich unter­schei­den sich die bei­den Regio­nen Polens: vor allem Logis­tik, Schiffs­ver­kehr und Tou­ris­mus bestim­men das wirt­schaft­li­che Klima von Dan­zig. Durch die male­ri­sche Alt­stadt führte unser Weg anschlie­ßend an die Berufs­fach­schule für Wirt­schaft und Han­del. Sehr herz­lich wur­den wir von den Dan­zi­ger Berufs­schü­lern emp­fan­gen. Wir tausch­ten Infor­ma­tio­nen über unsere Städte und ver­schie­dene Berufe aus, ein biss­chen Zeit für Small­talk blieb natür­lich auch noch.

Wie wich­tig heut­zu­tage eine gute Aus­bil­dung ist, das führte uns auch Cor­ne­lia Pie­per im Dan­zi­ger Gene­ral­kon­su­lat vor Augen. Auf deut­schem Boden emp­fing die Hal­len­se­rin die Teil­neh­mer und mode­rierte die lockere Runde, die die Wün­sche und Pläne der deut­schen Jugend­li­chen zum Thema hatte. Zum Abschluss ermu­tigte Frau Pie­per die jun­gen Aus­zu­bil­den­den, aktiv den Aus­tausch zwi­schen den Kul­tu­ren mit­zu­ge­stal­ten. Ein Rat den uns auch die Lei­te­rin des Inter­na­tio­nal Office der Dan­zi­ger Tech­ni­schen Hoch­schule mit auf den Weg gab. Gabriela Naru­towicza führt uns über den Cam­pus mit sei­nen ver­schie­de­nen Fakul­tä­ten wie der für Wirt­schaft und Phy­sik. Für unsere Aus­zu­bil­den­den der Infra-Leuna lohnte sich der Besuch gleich dop­pelt: Die Fakul­tät der Che­mie war­tete mit viel tech­ni­schem Anschau­ungs­ma­te­rial, von dem die eine oder andere Maschine auch in deut­schen Chemie-Unternehmen zu fin­den ist.

Den Abschluss in Dan­zig bil­det der Besuch des Geschichts­lehr­pfa­des auf der Wes­ter­platte, hier begann der Zwei­ten Welt­krieg. Anhand von Schau­ta­feln ist der Ablauf direkt an his­to­ri­scher Stätte nach­voll­zieh­bar, die Geschichte wird leben­dig. Auch wenn man­ches hier ein mul­mi­ges Gefühl hin­ter­ließ, neh­men die Teil­neh­mer die Erfah­run­gen weit über das Prak­ti­kum hin­aus mit. Der inhalt­li­che Rah­men um das Aus­lands­prak­ti­kum in Kra­kau und Dan­zig wurde durch einen schrift­li­chen Abschluss­test geschlos­sen, den alle Aus­zu­bil­den­den erfolg­reich bestan­den. Als Fazit steht nach abwechs­lungs­rei­chen zwei Wochen die Erkennt­nis, dass sich Eigen­in­itia­tive und Offen­heit über­all lohnen.





 
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